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Ich schlafe total gerne. Am liebsten alleine, ohne dass irgendwer an mir klebt. So lange es geht, ohne dass ich vom Wecker oder Lärm aufgeweckt werde. Wenn ich mich in unser Bett lege und mich in meine Decke einrolle, dann bin ich total glücklich. Ob früh am Abend oder nach einer durchzechten Nacht, der Schlaf oder die Vorfreude auf den Schlaf wecken in mir paradiesische Gefühle. Damals wie heute. Damals wusste ich noch nicht, dass irgendwann der Tag kommt, an dem ich nicht mehr selber aussuchen kann wann und wie lange ich mich in mein Kissen kuscheln darf. Heute gehe ich Kompromisse ein und freue mich wieder auf Stunden voller Ruhe, Erholung und schöner Träume. Aber dazwischen war es ein bisschen anders.

Als ich mit unserem ersten Kind Otto schwanger war, wusste ich gar nichts von Kindern. Ich las in der Schwangerschaft ein Buch über Babys und wie die so ticken, aber ich hatte keine Ahnung was es bedeutet, ein Baby zu bekommen. Wenn mir andere etwas über schlaflose Nächte erzählten, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es uns auch betreffen könnte. Otto war ein ganz süßes Baby, die ersten Tage und Nächte schlief er nur. Nach ungefähr einer Woche wuchs sein Bedürfnis nach Nähe und er konnte nur noch auf dem Arm einschlafen. Nachts trugen mein Mann oder ich ihn manchmal bis zu 2 Stunden durch das Haus. Nachdem er eingeschlafen war, konnte er natürlich nicht mehr alleine weiterschlafen. Er merkte sofort, dass wir ihn in sein Bett, dass neben unserem stand, gelegt hatten und wurde sofort wach. Also zog er mit 3 Wochen in unseres und blieb dort 1 1/2 Jahre lang! Er schlief dort relativ lange am Stück und wurde nur alle 4-6 Stunden wach um zu trinken. Zwischendurch versuchten wir erfolglos ihn an sein Bett zu gewöhnen. Aber er schrie immer so furchtbar und unser Baby schreien zu lassen kam für uns garnicht in Frage. Ich weiß nicht, ob wir ihn verwöhnten oder ob er einfach klug genug war um zu verstehen: Mama und Papa sind Anfänger, mit denen kann ich alles machen… Er wurde immer größer und ich war mittlerweile mit unserem Zweiten schwanger. Also hörte ich auf ihn Abends bis zum Einschlafen zu tragen sondern legte mich neben ihn, bis er seine Augen geschlossen hatte. Die Situation ging meinem Mann und mir mehr und mehr auf die Nerven. Wir verbrachten Ewigkeiten neben Otto liegend und wartend. Wir stritten auch mehr über Erziehung und wer von uns beiden der schwächere sei. Nach 1 1/2 Jahren wurden wir konsequenter, legten ihn jeden Abend in sein Gitterbett und setzten uns daneben, damit er sich nicht alleine fühlte. Er weinte, schrie und versuchte aus dem Bett zu klettern. Wir saßen manchmal bis zu 4 Stunden neben seinem Bett, streichelten ihn, sangen und wunderten uns über seinen starken Willen.

Nach ca. 4 Monaten wurde Balthazar geboren. Otto schlief inzwischen etwas besser ein, also nach ungefähr nur 1 Stunde streicheln, aber dafür ohne zu schreien. Balthazar trugen wir bevor wir Otto ins Bett brachten umher bis er schlief. Balthazar schlief immer so nach 20-30 Minuten ein und hatte kein Interesse am Familienbett sondern lag in seinem Beistellbett. Er wurde dann alle 3 Stunden wieder wach. Dieses ganze Einschlafprozedere war anstrengend. Balthazar wurde um 18:30-19:00 Uhr ins Bett gebracht. Dann putzte Otto sich die Zähne, wir lasen ihm eine Geschichte vor und saßen bis ca 20:30 Uhr an seinem Bett. Um 22 Uhr meldete sich wieder Balthazar und Otto weckte uns dann meistens auch noch mal gegen Mitternacht, wenn er zu uns ins Bett gekrochen kam. Ich brachte ihn nachts irgendwann auch nicht mehr zurück in sein Bett, weil ich einfach nur schlafen wollte und wusste, dass Balthazar gegen 1 Uhr nochmal wach wurde.Iich war andauernd nur genervt, weil jede Nacht ständig einer weinte oder an mir klebte. Ich hatte richtig Angst die Kinder ins Bett zu bringen und überhaupt keinen Bock darauf. Mir fehlte ganz dringend Schlaf und Nerven. Bei Balthazar wollte ich alles anders machen.

Wir beschlossen, dass die Kinder sich ein Zimmer teilen sollten. Otto bekam ein neues Kinderbett, worüber er sich sehr freute und Balthazar zog mit 6 Monaten in Ottos altes Gitterbett. Ich legte Balthazar schon zum Mittagsschlaf in sein Bett und nicht wie Otto auf die Couch. Gegen 19 Uhr legte ich Balthazar wach hin. Er beobachtet Otto und hörte zu wenn ich vorlas. Beide Jungs waren ganz fasziniert voneinander. Die Betten standen so, dass sie sich angucken konnten. Am ersten Abend war ich schon gleich so mutig, dass ich nach Ende der Geschichte nur Küsschen verteilte und mich verabschiedete. Aus dem Zimmer hörte ich nur Glucksen und Gekicher und irgendwann nichts mehr. Beide waren eingeschlafen. Die ersten Nächte wurde Otto auch wach, wenn Balthazar nach Milch schrie. Er beobachtete seinen kleinen Bruder vom Bett aus wie er gefüttert wurde und schlief dabei ein. Damit waren die anstrengenden Einschlafpraktiken vorbei und wir konnten die Abende zu Zweit auf der Couch genießen. Ich freute mich auch wieder die Kinder ins Bett zu bringen, es war einfach zu süß, wie sie sich gegenseitig anschmachteten und sich aneinander freuten. Kurz darauf war ich mit Hermine schwanger. Was das Thema schlafen anging wurde ich entspannter und das wirkte sich auch auf sie aus. Ich trug sie Abends kaum umher. Ich legte sie in ihr Bettchen, streichelte sie ein bisschen und sie schlief. Nach 6 Monaten zog sie ins Kinderzimmer zu den Jungs und die freuten sich über den Zuzug. Das vierte Kind war geplant und wir dachten uns, dass sie bis das neu Geschwisterchen da sei, bei ihren großen Brüdern schlafen könnte, auch wenn Platz für ein eigens Zimmer vorhanden war. Beim vierten und letzten Kind lief alles genauso. Oder vielleicht doch etwas einfacher. Kurt ist ein superguter Schläfer und hat den Rhythmus seiner Geschwister prima übernommen. Er schläft von 19 Uhr bis 7 Uhr durch und wird nur ganz selten gegen 23 Uhr nochmal wach, weil er Durst hat. Die Einschlafrituale gefallen uns allen gut. Wir gehen gegen 19 Uhr zusammen Zähneputzen, dann ziehe ich die Kinder in Ottos und Balthazars Zimmer um und sie erzählen mir noch mal ihre Tageshighlights oder was sie doof fanden. Dann kommt der Papa und liest ihnen eine Geschichte vor. Anschließend bringen wir Hermine und Kurt in ihr Zimmer. Kurt bekommt noch eine Flasche und alle schlafen dann meistens. Jedes Kind könnte sein eigenes Zimmer haben, genug Platz haben wir. Aber wir finden es schön, dass die Kinder sich ein Zimmer teilen und sie scheinen sich Nachts gegenseitig Ruhe zu geben und die Angst zu nehmen.

Natürlich haben sie alle ihre Phasen. Balthazar hatte seine Ich-will-die-ganze-Nacht-im-Wohnzimmer-sitzen-und-fernsehen-Phase mit 2 1/2 Jahren und Hermine findet es zur Zeit total cool, sich im Flur zu verstecken und uns zu beobachten. Sie kommt dann ständig aus dem Zimmer raus und wir bringen sie gefühlte 1000 Mal zurück in ihr Bett. Bei Balthazar ging diese Phase 4 Monate, bei Hermine geht sie seit 6 Monaten… Ich hoffe, dass es bis Weihnachten rum ist! Madame und ich haben uns vor kurzem darauf geeinigt, dass ich mich vor ihr Zimmer auf die Treppe setzte und sie mich in der Zeit vom Bett aus beobachten kann. Ich lese in der Zeit etwas im Internet auf meinem Handy und Hermine schläft innerhalb von 15-30 Minuten ein. Also, ab 20 Uhr ist hier meistens Ruhe im Haus und wir können den Abend ohne die Kinder genießen.

Dann gibt es noch diesen anderen Kompromiss. Die Kinder schlafen in ihrem Bett ein und ich schmeiße sie Nachts nicht aus unserem Bett, wenn sie kommen. Meistens tauchen sie früh am morgen auf und liegen dann alle bei uns im Bett. Einer links von mir, zwei zwischen meinem Mann und mir, wobei Balthazar auch gerne mal quer liegend am Fußende übernachtet. Also wenn Kurt irgendwann aus dem Bett klettern kann und zu uns kommt, dann wird es richtig eng. Mittlerweile merke ich kaum noch, wieviele Kinder neben mir liegen sondern nur, wenn sie sich auf mir stapeln. Allerdings haben sich in letzter Zeit die nächtlichen Besuche unserer Kinder reduziert. Leider. Hin und wieder werde ich wach, weil sie nicht neben mir liegen. Dann gehe ich die Zimmer ab und schaue, ob alles in Ordnung ist. Und dann wunder ich mich, wie schnell sie groß geworden sind.

Wie schlafen Eure Kinder? Was haltet Ihr vom Familienbett?