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Jedes Mal wenn ich neue Bekanntschaften machen, schauen die Leute entweder völlig schockiert oder höflich bemitleidend, wenn sie hören aus wie vielen Mitgliedern unsere Familie besteht. Anscheinend können sich manche nicht vorstellen warum man sich vier Kinder antut, wenn man doch auch mit einem oder zwei Kindern glücklich sein kann. Oder, warum wir die Altersabstände so kurz gehalten haben. Ehrlich gesagt kann ich auch verstehen warum andere, besonders andere Eltern erst einmal überrascht sind. Kinder können verdammt anstrengend sein. Laut, wild, egoistisch und dann diese nervenzerrenden Phasen immer und immer wieder…

Klar brauche auch ich starke Nerven und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht geweint gestritten, geschimpft oder Chaos gemacht wird. Wenn alles drüber und drunter geht, frage ich mich oft, was ich mir hier angetan habe. Aber Abends, wenn alle im Bett liegen und ich den Tag Revue passieren lasse, fallen mir meistens nur die schönen Momente ein. Heute zum Beispiel ist Otto völlig hysterisch auf Kurt losgestürmt und hat geschrien: „Kurt das darfst du nicht!“ Er hatte bemerkt, dass sich sein kleiner Bruder eine Haselnuss in den Mund stecken wollte und hat ihn daran gehindert. Ebenfalls heute hat sich Hermine eine minimale, eigentlich nicht erwähnenswerte Schramme am Fuß eingefangen. Otto und Balthazar gaben daraufhin ihr Bestes sie zu trösten. Sie wurde gestreichelt, das Aua wurde ordentlich weggepustet, sie haben ihr ein Pflaster angeboten und Hermine durfte sich bei ihnen abstützen, um sicher bei Mama anzukommen. Ich könnte jeden Tag mind. eine kleine Geschichte über Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung erzählen. Über das Aushecken von Plänen, Verbrüderungen gegen die Schwester oder gegen die Mama, gemeinsame Spiele und einander helfen.

Leider bekommen die Kinder nicht immer die Aufmerksamkeit, die sie brauchen. Jeder kommt mal kurz und muss zurückstecken. Um das auszugleichen, habe ich manchmal ein Kind aus dem Kindergarten genommen und mit ihm einen Mamatag gemacht. Wir unternehmen dann was schönes oder sitzen zusammen in einem Café, essen Waffeln und unterhalten uns. Mein Kind und ich genießen die Exklusivzeit und machen sie jetzt wöchentlich, jeden Freitag, als angenehmen Start ins Wochenende. Mehrmals die Woche muss ich die Kinder zu Sport- oder Musikkursen fahren. Hinzu kommen Arzttermine, Elternabende, Freunde. Damit ich nicht jedes Kind überallhin mitnehmen muss haben wir immer ein liebes Au Pair Mädchen bei uns, dass in der Zwischenzeit mit den Kindern spielt. Sie lässt mich am Wochenende auch mal ausschlafen, wenn ich ausgepowert bin und babysittet abends gelegentlich, damit mein Mann und ich etwas zu zweit unternehmen können. Einige der Mädchen werden zu richtigen Familienmitgliedern. Sie lieben die Kinder. Die Kinder lieben sie. Nach ihrem Au Pair Jahr besuchen sie uns regelmäßig und wir verbringen eine schöne Zeit miteinander.

Mein Mann und ich haben uns bewusst für eine Großfamilie entschieden. Auch für den kurzen Altersabstand. Das hatte ganz egoistische Gründe. Wir wollten unser vier Kinder schnell kennenlernen und keine Zeit verlieren. Ich bereue keine dieser Entscheidungen und bin sehr, sehr glücklich. Jeder Schritt mit diesen fantastischen Kinder bereitet mir Freude und erfüllt mich Dankbarkeit.

Wie sieht Euer Familienleben aus? Wie viele Kinder habt Ihr oder plant Ihr welche?