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Ich habe sie getroffen! Eine Supermutti! Diese Frau mit Kind(ern), auf die wir alle gucken. Über die wir reden oder sie beobachten und hoffen, dass sie jetzt doch endlich mal einen Fehler begeht. Diese Möchtegernperfekte, die eigentlich garnicht so perfekt sein kann, aber so tut als ob.

Ich war richtig mutig und habe ihr gesagt, was ich von ihr halte!

Wir wissen, dass sie nichts von uns hält. Manchmal guckt sie uns abfällig an. Bestimmt, weil wir es nicht können. Wir bekommen es einfach nicht so gut hin wie sie. Nein, wir wollen nicht so sein wie die Supermutti. Auf keinen Fall! Aber wie macht sie das nur?

Supermuttis finden wir überall. Im Krabbelkurs, in der Kita/Schule, im Fernsehen, Zeitschriften und en masse in den sozialen Medien. Viele behaupten die Medien würden uns ein Bild der Supermutti aufdrängen, manipulieren und uns so unter Druck setzen. Wir sollen perfekt sein. Für unsere Kinder, uns selbst und die Gesellschaft. Denn anders könnten wir nicht glücklich werden und unsere würden Kinder verkommen. Welche Medien wir konsumieren, woher wir unsere Informationen und Ratschläge holen, können wir uns aussuchen. So unterschiedlich Internetforen und Zeitschriften sind, so gegensätzlich sind die Supermuttis. Die zwei meistverbreiteten Arten Supermuttis, sind dir vielleicht auch schon begegnet.

Supermutti 1: Die Egoistische 

Also, die kümmert sich sicher nicht vernünftig um ihre Kinder. Statt ihre Kinder zu erziehen verplempert diese Supermutti ihre Zeit mit shoppen, schminken und Sport. Statt ausgiebig zu stillen, lackiert sie sich lieber die Nägel. Sie schiebt ihre Kinder viel zu früh in die Kita ab, weil sie arbeiten will oder noch schlimmer: Vormittags Kaffeeklatsch mit anderen Tussis hält. Auch wenn sie behauptet, dass sie viel Zeit mit ihrem Nachwuchs verbringt, glauben wir ihr nicht. Sie gaukelt uns vor, dass das Leben mit Kind(ern) total easy ist und man genug Zeit für sich selbst hat. Warum schaffen wir es nicht aufgebrezelt mit unserer Brut auf den Spielplatz zu gehen. Um das schlechte Gewissen zu verdrängen, trösten wir uns: Jemand, der auf sein Äußeres bedacht ist, kann keine gute Mutter sein. Das arme Kind. Wir hoffen, dass es später kein selbstsüchtiger oder konsumsüchtiger Erwachsener wird.

Supermutti 2: Die Selbstlose

Wie widerlich. Die stillt ja immer noch. Die Frau, kann nicht loslassen. Was würde sonst erklären, dass sie mind. zwei Jahre zuhause bleibt? Statt ihre Beine endlich mal zu rasieren, liest sie Bücher von Familientherapeuten. Sie weiß alles über Erziehung und Ernährung und stellt ihr Leben danach um. Kennt diese Supermutti den Slogan „Mama sein – Frau bleiben“ nicht? So ein bisschen dumm finden wir diese Frau schon. Sie denkt nicht weit. Irgendwann ziehen die Kinder aus. Und dann? Wie will sie glücklich werden ohne Lebensaufgabe? Also klug ist das nicht, wenn man sein Leben nach den Kindern auszurichtet. Ihre Kinder sind brav und können alles. Aber ist ja klar, sie hat ja auch sonst nichts zu tun, als ihre Kinder zu erziehen. Sie verunsichert uns ein bisschen. Machen wir zu wenig für unsere Kindern? Aber ihr wisst ja: Das arme Kind. Hoffentlich bekommt es später keinen Mutterkomplex.

Identitätskrise

Die Zeit nach der Entbindung unseres ersten Kindes war nicht einfach. Ich war hin- und hergerissen. Wusste nicht, ob ich die die ich war, weiterhin sein darf. Kann ich so, wie ich war, mein Kind glücklich machen? Eines war klar: Ich wollte perfekt sein. Für das Kind, für mich und alle anderen Menschen. Eine Zeitlang hat es gut funktioniert. Je nachdem wo ich war, passte ich mein Supermutti-Image an. Bei den Kinderlosen oder Trend-Müttern tat ich so, als ob das Leben mit Kind total einfach sei. Zeitmanagement sei alles. Ich sackte Komplimente ein, weil ich ja soooo entspannt sei und mich trotz Kind noch pflegte. Traf ich Mütter, die ihr Kind zu ihrem Lebensprojekt gemacht haben, holte ich mir gerne Rat und beriet zurück. Ich wusste dank diverser Schwangerschaftsbücher ziemlich viel über Babys. Wir unterstützten uns, in Schlabberklamotten, gegenseitig dabei perfekte Kinder zu erziehen. Es war nicht so anstrengend, zwei Rollen zu spielen. Anstrengender fand ich es, nicht zu wissen, wer ich überhaupt bin.

Die Reaktion der Supermutti

Nun, ich hab der Supermutti gesagt, was ich von ihr halte. „Ich finde dich richtig Scheiße!“ Mehr fiel mir nicht ein. Ich denke euch würde auch nicht mehr einfallen, wenn ihr im Badezimmer steht und euer Spiegelbild anguckt. Es wäre jetzt zu romantisch zu behaupten, ich hätte mich in dem Moment selber gefunden. So war es nicht. Es war ein langer Prozess und ich fühlte mich währenddessen nirgendwo zugehörig. Ich bin Tussi, Glucke, Kontrollfreak und betrinke mich gerne mal aus Spaß. Es hat Monate gedauert zu verstehen, dass man nicht einem Bild entsprechen muss. Heute trau ich mich unter Attachment-Parenting-Befürwortern zu sagen, dass ich Familienbett total kacke finde und meine Kinder abends in ihren Zimmern am liebsten einschließen würde (mache ich natürlich NICHT), damit sie nachts nicht in unser Bett gekrochen kommen. Ich habe auch kein Problem damit mit ungezupften Augenbrauen und ungeschminkt rauszugehen. Ich bin Mutter. Ich darf das. Genauso darf und möchte ich mich auch so oft es geht schön machen. Beraten lasse ich mich nur noch von Bauch und hin und wieder auch vom Verstand. Wahrscheinlich werden unsere Kinder so nie zu Vorzeigeobjekten. Völlig in Ordnung, ich bin ja auch keine Vorzeigemutter. Ist doch auch viel zu stressig.

In den Augen unserer Kinder sind wir doch alle super Muttis. Sollte uns das nicht reichen?