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Stellt Euch mal vor, unsere Kinder würden alle gleich aufwachsen. Wie farblos wäre unserer Welt? Und wer würde die Richtung vorgeben? In der wöchentlichen Reihe #andereelternanderesitten berichten Eltern wie sie als Familie leben, über ihren Lebensstil oder ihr Erziehungskonzept. Den Anfang macht Corinna, die uns einen Einblick in das Familienleben auf dem Bauernhof schenkt. Viel Spaß beim Lesen!

Anders?

Bei uns ist doch nichts anders!“ sagt der Mann. „Doch!“ sage ich. Deswegen habe ich doch angefangen zu bloggen, weil die Freunde aus der Stadt von diesen verrückten Geschichten gar nicht genug bekommen konnten: über unsere Rinder  zum Beispiel oder gar Rinderauktionen, über unsere Enten, die sie gerne zu Weihnachten verspeisen oder über das Tiere essen allgemein. Auf www.hofsafari.de schreibe ich über unser Leben mit Kind auf dem Bauernhof. Klar, sind wir nicht die einzigen Menschen, die so leben, aber für viele sind diese Bauernhofgeschichten doch sehr fremd.

Es sind jedoch nicht nur diese verrückt normalen Geschichten durch die sich unser Alltag von dem der Stadt-Freunde unterscheidet. Wahrscheinlich sind es vor allem die vielen Kleinigkeiten am Tag: drei gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie (mittags mit Opa), viel gemeinsame Zeit, jedoch wenig echte freie Zeit – irgendetwas ist immer.

In Sachen Vereinbarkeit ist die Hofarbeit gar nicht so unpraktisch. Das Kind läuft hier halt so mit. Da braucht es kein extra Programm oder irgendeinen Kurs. Es gibt immer viel zu entdecken. Mittlerweile kann sie auch schon gut eigene Aufgaben übernehmen und mitarbeiten. Dadurch, dass wir viel draußen sind, genießt unsere Tochter es ganz besonders im Haus zu sein und dort allein mit mir etwas zu backen oder zu basteln, vor allem jetzt in den Wintermonaten. Das hat einen ganz eigenen Zauber.

Doch auch bei der Arbeit draußen versuchen wir nicht einfach nur unseren Kram zu erledigen, sondern all die kleinen Schätze, die es zu entdecken gibt, und die das Leben hier so spannend machen, nicht aus dem Auge zu verlieren. Das klappt nicht immer – aber mit Kind fällt es leichter. Sie findet immer einen Regenwurm über den sie staunen kann oder eine besonders schöne Blume. Das entschleunigt nicht nur, sondern hilft mir sehr das Schöne zu sehen und nicht nur die Aufgaben.

 

Bauernhofpädagogik digital und in Echt

Insgesamt ist es mir sehr wichtig, dass unsere Tochter hier nicht nur wohnt, sondern möglichst viel miterlebt, sich viel anschaut und einiges nachmacht, dass sie erfährt, dass die Lebensmittel nicht nur aus dem Supermarkt kommen, dass man auch aus „Unkraut“-Tee machen kann, und dass die Tiere die bei uns leben, einen respektvollen Umgang verdienen. Überhaupt finde ich ein gewisses Wissen über Natur und Tiere notwendig (nicht nur für Kinder). Ich erlebe immer wieder, wie Gäste unseres Cafés mit ihren Kindern vor den Gänsen stehen und sagen, das sind Enten. Heu und Stroh wird auch gerne verwechselt. Ach, es gibt zu viele Beispiele. Die Entfremdung zur Landwirtschaft ist schon sehr groß. Mein Blog ist ein kleiner Versuch dagegen zu steuern. Zudem werde ich bald auch bauernhofpädagogische Angebote auf dem Hof anbieten. Denn ich habe gemerkt, dass es mir nicht nur digital ein großes Anliegen ist, sondern auch in Echt.

Ich weiß, dass sich das alles ganz wunderbar anhört, aber es bringt natürlich auch einige Nachteile mit sich. Durch die idyllische Wohnlage müssen wir zum Beispiel immer sehr viel Auto fahren. Nicht nur zum einkaufen, auch zu Verabredungen der Tochter. Denn Kinder in der nahen Umgebung gibt es nicht. Spätestens in der Pubertät rechne ich mit Protest über diese Abgeschiedenheit und eine gewisse Stadt-Sehnsucht. Das könnte ich zumindest nachvollziehen.

Ich fahre häufig mit ihr in die Stadt. Nicht nur, weil ich das selber brauche und zwischendurch mal etwas anderes sehen muss, sondern weil ich nicht will, dass sie den Hof für den Mittelpunkt der Welt ansieht. Außerdem kenne ich viele Landmenschen, die nie wirklich raus gekommen sind. Sie sind nicht unglücklich darüber, aber sie sind doch sehr unsicher bis überfordert, sich in der Stadt zu bewegen. Das möchte ich für meine Tochter nicht. Sie soll sich offen und frei in den verschiedenen Räumen bewegen können.

Auch, wenn wir in unserer kleinen Welt leben, wünsche ich mir Offenheit für sie. Vor allem Offenheit gegenüber Menschen, die anders sind.

Ich bin Corinna und seit einiger Zeit wieder Landei. Vor der Geburt unserer Tochter sind wir bewusst wieder aufs Land gezogen und betreiben nun mit unserer Familie im Nebenerwerb etwas Landwirtschaft und ein kleines Café. Ich blogge auf www.hofsafari.de über das Leben mit Kind auf dem Bauernhof.